Gottes „Neue Gerechtigkeit“ (Predigt zum 06.Sonntag im Jahreskreis)

Liebe Schwestern und Brüder

im heutigen Tagesevangelium heißt es unter anderem: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich. Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“[1]

Diese Worte Jesu beinhalten eine klare und unmissverständliche Botschaft. Er warnt uns vor `falscher Frömmigkeit´ und solchen Menschen, die eine Religion lehren, die durch Gebote, Verbote, Gesetzte, Regelungen und ein patriarchialisches System, dem einzelnen Gläubigen mehr Angst und Verdammung drohen, als es durch die Erfüllung der Propheten in Jesu selbst der Fall ist. Für uns Christen soll die wahre Gerechtigkeit Gottes größer sein, als das reine geschriebene Wort der Schrift. Wenn dem so wäre, gelte das Alte Testament in seiner Fülle noch, wenn dem so wäre, dann gäbe es wirklich nur eine Person auf der ganzen Welt, dem Gott seine Treue schwörte und auf dem alleinig der Segen Gottes ruhen würde. Dann müssten wir uns an alle Speiseopfer, Gebote und Verbote des Alten Bundes Gottes halten und das hieße, wir müssten demnach messianische Christen sein, die auf die Erlösung durch Christi noch warten. Doch: Christi starb bereits für uns am Kreuz! Er war bereits auf der Erde! Er hat das Werk bereits vollbracht! Das Alte Testament ist erfüllt und für den gläubigen Christen ist es beendet. Es gibt den Neuen Bund, den Bund im Blute Christi. Jesu hat die Gebote Gottes selbst im Neuen Testament klar und deutlich beschrieben: Er ist es dem Wir folgen müssen, auf den wir HÖREN müssen, dem wir uns anvertrauen müssen. Er ist der Eckstein, auf dem er Seine Kirche gegründet hat. Er hat allen Menschen seine Verheißung gegeben, wenn unsere Gerechtigkeit größer ist, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer (der `Überfrommen Christen könnte man heute sagen), dann haben wir die Chance, (KEINE FREIKARTE; KEINEN FREIFAHRSCHEIN) ins Himmelreich zu gelangen. Menschen, denen man die Frohe Botschaft und die Erlösung in Christi tot nicht anzuerkennen ist, die einem mehr Angst und Verzweiflung bescheren, die einem die Schrift so auslegen, dass Keine Rettung geschehen kann, nur unter Ihrer Leitung, nur unter IHREM Wort und IHRER Gnade, liebe Schwestern und Brüder, genau vor diesen Frommen warnt uns Christus.

Jesus verschärft die 10 Gebote JHWE, die Er auf dem Berg SINAI dem Mose gegeben hat und sagt, schon wer Böses im Herzen trägt, schon, der dem Gegenüber übel mitspielt, der ist dem Höllenfeuer übergeben, schon wer im Herzen seine Ehefrau entlässt, dem Bruder zürnt oder falsche Eide schwört, der ist verloren! Doch:

Jesus liebt die Sündern, aber nicht die Sünde und im Umkehrschluss kennt Jesu die Beweggründe, die Intention, aus der wir, wie oben beschrieben, etwas Böses tun, so weiß er im Umkehrschluss auch, was wir im Herzen bewegen und die Guten Werke, die wir zu Seiner Ehre tun wollen und die wir im Herzen tun. Nicht nur die negativen Gedanken und Intentionen kennt er, sondern auch um die Guten weißt er. Unsere Gerechtigkeit, unser christlicher Glaube muss also über das geschriebene Wort der Bibel hinausgehen, es muss mehr sein, als das bloße Wort, es muss in uns lebendig werden und durch uns leben.

Wir warten auf Christi Wiederkunft nicht mehr, dass er uns erlöst, dass er uns aus den Fängen des Todes befreit und den Tod nichtig macht, das hat er bereits vor mehr als 2000 Jahren getan, sondern wir erwarten Seine Wiederkunft, damit er die Welt richte und damit das Himmelreich, was bereits begonnen wurde, vollendet wird. Die Erlösung vom bloßen Wort, vom reinen Gesetzt ist bereits durch den Kreuzestod Jesu gesühnt worden. Er wurde bereits geschlachtet und erlöste die Welt und wir sollen IHM, Seiner Gnade, Seiner Liebe folgen und nicht dem bloßen, frommen Gesetzt. Unser Christentum soll niemandem Angst machen, unterdrücken oder klein halten, sondern befreien und Froh machen, durch die Botschaft Jesu. Das Evangelium ist die Frohe, befreiende Botschaft und keine unterdrückende, niederschmetternde und angstmachende Drohung Gottes. Leider erlebt man heute immer mehr Christen die das Alte Testament so hoch halten, die es mehr berührt von den schrecklichen Gerichten Gottes zu hören und zu lesen, als der befreienden und liebenden Botschaft Jesu. Die wahren Gebote Gottes sind im Neuen Bund durch Jesu genau beschrieben und deshalb nicht minderwertiger, als die Gebote des Alten Testamentes.

Jesus gibt uns Christen deshalb aber keinen Freischein, er lehnt das Alte Testament nicht ab, oder verwirft es. Wir Christen müssen um das Alte Testament wissen, es kennen und verstehen und begreifen und dennoch, das Alte Testament durch das Neue Testament lesen und nicht umgekehrt. Die Hinweise und prophetien über Jesus sind bereits durch IHN erfüllt worden und so müssen wir eher durch die Frohe Botschaft Jesu das Alte Testament neu lesen und verstehen und begreifen, umd die tiefere und wahre Gerechtigkeit Gottes darin erkennen zu können. Und zwar nicht mit dem reinen menschlichen Verstand, also der säkularen Sicht auf die Bibel, sondern durch den Schein des Heiligen Geistes, der den `geistlichen/spirituellen´ Blickwinkel auf die Schrift neu und durch Christi Augen begreifen lässt.

Von Überfrommen, Gesetztestreuen und frömmelnden Christen hält Jesu nicht viel, denn dies taten die Pharisäer und Schriftgelehrten, die die Schriften auswendig und aufwendig rezitieren und auslegen konnten und die die `Weisheit Gottes´ mit Löffeln gefressen hatten und die die Gebote, Gesetzte und Verbote höher achteten, als die Gerechtigkeit Gottes. Genau gegen diese Art von Predigern, Hohenpriestern Schriftgelehrten hatte Jesu selbst etwas, was er auch lautstark und ausdrucksstark bewies. Seine Botschaft und Seine Gebote hängen am Doppelgebot, an Seinen Lehren und Auslegungen des Alten Bundes und an Seiner Verheißung. Wenn wir, als Christen, die Gerechtigkeit Gottes nicht größer achten und lehren, als dies die anderen tun, so werden wir nicht ins Himmelreich kommen. Gott ist dabei immer eines immer: Deus caritas est `Gott ist die Liebe´

Dekan Pastor Thomas Andrew (UKK)
St. Bonifatius
Seelsorgebereich Nordhessen
Zum 06. Sonntag im Jahreskreis

 

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