Über das priesterliche Verständnis

Der gute Hirte

Was heißt es eigentlich Priester zu sein? Was hat dieser Beruf, diese Berufung, die keine andere Arbeitsstelle in der Kirche bietet?

Ich denke Priester zu sein basiert auf den Bejahung zum Ruf Gottes. Gott führt uns die Wege, die wir uns aussuchen, sagte mir mal ein Theologe aus Paderborn. Diesen einen Satz habe ich im Gedächtnis behalten. Gott ruft uns zu einem Dienst in der Kirche, egal wie dieser aussieht.

Berufung wird meist mit Priesteramt und Kirche in Verbindung gebracht. Diese Einengung im sonst breiten Spektrum göttlicher Berufungen ist leider etwas einseitig. Dennoch möchte ich mich genau diesem Thema widmen.

Was heißt es in unserer modernen Welt Priester zu sein? Priester sein im Hier und Jetzt? In einem Gebet heißt es, dass der Herr Arbeiter in seinen Weinberg schicken soll. Er soll Menschen berufen in seinem Weinberg tätig zu werden. Ein Teil davon ist das Priesteramt. Doch was ist ein Priester? Wie muss ein guter Priester sein?

Diese Frage möchte ich versuchen zu beantworten.

Als erstes muss auch unsere heutige Gesellschaft begreifen, dass Priester zu aller erst Menschen sind. Menschen mit Fehlern, Ecken und Kanten. Kein Mensch, erst recht kein Priester, ist ein perfekter Mensch, geschweige denn ein perfekter Christ.

Ein Priester sollte ein Vorbild sein für seine Gemeinde, für die Menschen die er führt. Er soll einen gefestigten Glauben haben, Krisen erlebt und überstanden haben. Er sollte auch das Leben außerhalb der Kirche kennen, vielleicht sogar selbst ein verlorener Sohn sein. Mit einer Erfahrung die über den kirchlichen Rahmen hinausgeht, hatte er die Chance als Mensch und auch als Christ stärker zu reifen. Wer das Leben ohne Gott kennt, der hat einen anderen Zugang zu ihm, wenn er wieder in seiner Nähe ist. Somit hat er eine stärkere Bindung an Gott, denn er lernt die Zeit mit ihm besser und intensiver zu schätzen.

Die Priester die schon immer Priester werden wollten, nie etwas anderes getan haben, sind nicht unbedingt schlechtere oder bessere Priester. Doch diejenigen, die sich auch von ihm abgewendet haben und sich dann neu auf ihn eingelassen haben, haben einen anderen, vielleicht stärkeren Zugang zu Gott. Sowie im Gleichnis des verlorenen Sohnes.

Im Priesteramt steht der einzelne Mensch als Vertreter Christi auf Erden. In jedem gespendeten Sakrament steht er stellvertretend für Christus. Aus diesen Dingen schöpft er Energie für sein Leben, für sein Zölibat, für seinen priesterlichen Dienst. Er ist ein Werkzeug Gottes und durch ihn soll der Hl. Geist in der Welt wirken.

Priester zu sein heißt aber mehr als nur hinter dem Altar zu stehen, die Eucharistie zu feiern und die Sakramente zu spenden. In der heutigen Kirche werden viele Priester darauf vorbereitet einmal eine Pfarrstelle zu übernehmen und in den Köpfen der meisten Priesteramtskandidaten steckt der Gedanke: Nur wenn ich Pfarrer werde, bin ich ein richtiger Priester.

Dieses denken ist nicht gut! Priester zu sein heißt mehr als ein Vorsteher einer Gemeinde, ein Gemeindeleiter zu sein.

Priester sollen Seelsorger sein, gute Hirten.

(29.01.2012, Pater Thomas Andrew Sebastian Winkler)

 

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